Berufen zum Gruppenhelfer

Jesus hat seine ganze Kraft und Zeit fast ausschließlich seinen 70 Jüngern gewidmet. Nach seinem Vorbild wollen sich auch die Gruppenhelfer in der Jüngergemeinschaft ganz in den Dienst der Jüngersuche und -heranbildung stellen. Sr. Maria

1970: Erste hauptberufliche Gruppenhelfer
Die vielen Teilnehmer der „Tage des Gesprächs und der Begegnung“ (TGB) machten es notwendig, dass hauptberufliche Gruppenhelfer gesucht wurden. Diese TGB fanden an den Wochenenden in leeren Pfarrhöfen, Schulen oder Privathäusern statt. Mit Menschen über die Fragen nach Gott, die Kirche, den Glauben sprechen zu können und dabei noch Gemeinschaft mit anderen Gläubigen und Suchenden zu erfahren, das war vor allem für junge Leute anziehend und begeisternd. Ca. 50 solcher TGB-Gruppen der Kath. Glaubensinformation entstanden in wenigen Jahren. In bis zu 20 verschiedenen Häusern traf sich nun jede dieser TGB-Gruppen von ungefähr 8-12 Interessierten ca. 3 Mal jährlich. Dies erforderte viel Organisation, aber auch regelmäßiges Einladen von Neuen, vor allem beim wöchentlich mehrmaligen Straßenapostolat. Von Anfang an aber suchten wir in den TGB-Gruppen nach Mitarbeitern (Jüngern), die bei den vielfältigen Aufgaben halfen, vor allem auch in der Durchführung der Wochenend-Treffen, bei der Vorbereitung der Gesprächsthemen und in der Mitsorge für die Teilnehmer der TGB. So war die vierzehntägige Mitarbeiter-Schulung ein Haupttreffen für Priester, Gruppenhelfer und bereite Mitarbeiter.

1975: Dr. Madinger schrieb für die Gruppenhelfer: „Wir leben in einer Epoche wachsenden Unglaubens …
... In solchen Krisenzeiten (Materialismus, Zweifel, Gleichgültigkeit, zunehmend religiöse Verwirrrung) braucht es starke Jünger Christi, die ihr Leben aus einem tiefen Glauben an Christus heraus gestalten. Denn wenn diese starken Jünger Christi fehlen, wird bald niemand mehr wissen, dass es wirklich eine Auferstehung gibt und einen Vatergott, der uns hört und erhört; dass es wirklich ein Gericht nach dem Tod gibt; dass es wirklich eine Sünde und die 10 Gebote Gottes gibt und die Bergpredigt als Lebensgesetz für die erneuerte Menschheit gemeint ist. Wenn aber die Wahrheit im Nebel verschwimmt, wenn der Mensch sich zum Zentrum macht und das „Wort Gottes“ zum bloßen Symbol wird, dann haben jene Zeiten der Apokalypse begonnen, die unermessliches Elend über Millionen Menschen bringen.

Das Vorbild Jesu: Die Suche nach den „70“
Jesus zeigt uns, wie die Seelsorge in solchen Zeiten der Krise und der Verfolgung sein muss: Er hat seine ganze Kraft und Zeit fast ausschließlich seinen 70 Jüngern (samt den „12“) gewidmet. Sie hat er ausgebildet und ausgesendet. Sie sollten an seiner Stelle das Werk weiterführen. Die Heranbildung von echten Jüngern Christi ist die Hauptaufgabe der Kirche in Zeiten der religiösen Krise.

Der Dienst des Gruppenhelfers: eine Lebensaufgabe
Die Gruppenhelfer haben die Aufgabe, die “70 Jünger“ zu suchen und heranzubilden und für die Jüngergemeinschaften zu sorgen. Die Erfahrung hat gezeigt, dass diese Aufgabe die ganze Lebenskraft eines Menschen erfordert. Der Gruppenhelfer braucht ja wenigstens zwei Stunden Zeit zum stillen Gebet, er braucht Zeit für die hl. Messe und den Rosenkranz, Zeit zum Studium und zur Vorbereitung, Zeit für die Jüngergespräche und die apostolischen Einsätze, für die Gemeinschaft mit den Jüngern und für die Gemeinschaft mit den übrigen Gruppenhelfern …“

„Als ich 1984 nach Wien kam, war ich durch die Spruchplakate von Dr. Madinger bereits mit einer Schwester der Jüngersuche in Briefkontakt; durch diese Schwester kam ich dann in eine Jünger-Gebetsgruppe. Es war für mich wie ein geistliches Heimatfinden, und ich wusste: Genau das habe ich immer gesucht - einen lebendigen Glauben, und dass all die Dinge, die in der Hl. Schrift stehen, auch im Alltag gelebt werden wollen. Ich war eine richtige "Senkrecht-Starterin" und hab sofort überall mitgemacht; vor allem in meiner Freizeit versuchte ich dem Reich Gottes zu dienen. Mit der Zeit wurde ich immer trauriger, dass ich nicht noch mehr Zeit hatte, für den Herrn zu wirken. Dadurch wurde in mir die Sehnsucht wach, meine Arbeit als Buchhalterin (die ich ebenfalls sehr gern machte!) zu kündigen, um ganz frei für den Dienst im Reich Gottes zu sein. Ich erlebte dies als Anruf Gottes an mich. In den täglichen Herausforderungen der Gruppenhelferarbeit weiß ich, dass nur Jesus selbst mir immer neu die Kraft dazu geben kann und dass ohne Seinen Ruf ein solcher Dienst nicht möglich wäre.“ Doris

„Der springende Punkt“
Der Gruppenhelfer kann nur dann Jünger finden und heranbilden, wenn er selber ein brennender Mensch ist. Andere kannst du nur entzünden, wenn du selber Feuer in dir hast. Nur wer selber ein Jünger Christi ist, hat das innere Drängen, auch andere zu Jüngern Christi heranzubilden. Diese Entscheidung für Jesus, mit ungeteiltem Herzen, ist auch das Wichtigste für die Arbeit des Gruppenhelfers. Denn aus dieser Hingabe empfängt der Gruppenhelfer seine Kraft, den Geist, seine Freude, seine Beständigkeit und Treue. Die Hingabe mit ungeteiltem Herzen ist die Voraussetzung für alles.“

„Der erste Teil des Tages gehört ganz Jesus! Gestärkt und gesättigt durch das Gebet in der Gemeinschaft, die hl. Messe und die Anbetung gehe ich dann an die verschiedenen Arbeiten, wie Gruppentreffen planen, Lieder für die Messgestaltung aussuchen, Mails beantworten = Kontakt halten mit den „Schäfchen“, Hausbesuche organisieren, Hausarbeiten erledigen u.v.m. An den Abenden sind meist Gebetsgruppen-Treffen mit Menschen aus verschiedenen Altersgruppen.“ Sr. Silvia

Durch das „Apostolische Jahr“ in die Berufung hineingewachsen:
„Durch das „Apostolische Jahr“ bin ich langsam in die Gemeinschaft hineingewachsen; dann durfte ich zuerst an der Seite von Sr. Adrienne und später von Sr. Silvia in der Gruppenhelfer-Arbeit mitwirken. Durch ihr Beispiel und die regelmäßigen Gespräche mit ihnen habe ich viel gelernt, bevor Sr. Silvia mich selbst als ´Hirte´ ausgeschickt hat.“ Gudrun

Was mich am meisten an der Arbeit als Gruppenhelfer freut:
Die größte Freude ist es, wenn man einem Menschen helfen kann, Gott näher zu kommen und im Glauben Neues zu erkennen. Welches Geschenk für uns Gruppenhelfer, wenn wir Zeuge vom Wirken Gottes an diesen Menschen sein dürfen und zugleich wissen, dass Gott sich unser bedient trotz  unendlicher Fehlerhaftigkeit, Schwäche und Sünde! Es stärkt uns auch in unserer Berufung, wenn Menschen Ihn als das Heil, den Sinn, das Ziel und die Liebe ihres Lebens erfahren.
Gudrun

Als Gruppenhelfer darf ich Menschen zu Jesus führen, darf sie begleiten, mit ihnen lachen und weinen, ihnen zum Gebet helfen oder sie zu den Sakramenten führen. Diese Aufgabe macht mir große Freude. Sr. Silvia

Was mich am meisten freut, ist, dass unsere Gemeinschaft an die kirchliche Lehre gebunden ist, d.h. dem Papst treu bleiben möchte; dass die Eucharistie im Mittelpunkt steht; dass die Mutter Gottes verehrt wird und dass unsere Gemeinschaft dazu auch noch charismatisch ist. Ein besonderes Geschenk für mich ist, wenn ich jemandem durch mein Gebet und Zuhören auf dem geistlichen Weg weiterhelfen kann.“ Doris

„Es ist eine große Freude, wenn ich mitwirken kann, dass jemand einen Schritt näher zu Jesus kommt - durch Gebet, Gespräch, Zuhören. Die Gruppenhelfer-Arbeit kann ich aber nur verwirklichen, wenn ich mich selbst immer wieder an den sieben Jünger-Idealen ausrichte und auf diese Weise andere auf dem Jüngerweg mitnehme.“ Michael